Lyrik 1: Ein Sonett*

Im Winter

Es geht ein Wind voll Eis durch enge Gassen,
wo Mütter ihre Kinder an sich drücken.
Kein Mensch im Freien weilt aus freien Stücken.
Die warmen Träume immer mehr verblassen.

Ein rotes Mäntlein stört die weißen Massen.
Das Mädchen lachend tänzelt vor Entzücken.
Dem Schneemann will das Gleichgewicht nicht glücken,
Sie zieht ihn auf und kann nicht von ihm lassen.

Im Stall die alte Magd den Kopf lässt hängen,
lauscht nicht den kindlich freudigen Gesängen.
Das Leben schwer, des Winters eis’ge Qualen.

Des weißen Männleins Kopf ziert eine Rübe,
der Naseweisen Laune gar nicht trübe.
Das Leben leicht, des Winters helles Strahlen.

(Jörn Erdmann)

*Ein Sonett besteht aus 14 metrisch gegliederten Verszeilen, die in vier kurze Strophen eingeteilt sind: zwei Quartette und zwei sich daran anschließende Terzette. Die einzelnen Verse entsprechen dem fünfhebigen Jambus mit weiblicher Kadenz. Der poetische Inhalt folgt der italienischen Struktur (These im 1. Quartett, Antithese im 2. Quartett, Synthese in den Terzetten). Das Reimschema lautet A-B-B-A A-B-B-A D-D-C E-E-C.

Alles korrekt, liebe Deutschlehrer?

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