Lyrik 3: Ein Ghasel*

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Dichternacht

Punkt Mitternacht schlägt es, welch fahlweiße Zeiten,
das Mondlicht fällt traurig auf büttene Seiten.

Der Blick zu den Sternen, Gedanken, die fliegen,
doch keiner davon kann mir Freude bereiten.

Wo führt mich das hin, o das Ziel ist vernebelt,
das Schwarz und das Weiß gleichen steten Gezeiten.

Aus Tinte und Feder sonst Epen entsprießen,
doch nun lässt die Metrik den Teufel mich reiten.

Fast blank ist die Seite, und doch schon vier Strophen,
ich muss mit dem Herz, nicht dem Hirne, arbeiten.

Die Zeit schreitet fort und die Träume mich rufen,
so lasst uns dem Ganzen ein Ende bereiten.

Der Blick in die Nacht, die unendliche Ferne,
Ich reite hinaus, lass‘ das Schicksal mich leiten.

So schlafet denn wohl, meine Freunde und Feinde,
Die Nacht spielt ihr Lied auf den silbernen Saiten.

(Jörn Erdmann)

*Das Ghasel ist eine aus dem südasiatischen Raum (insbesondere Persien) stammende literarische Gattung, die seit dem 19. Jahrhundert hin und wieder auch in der deutschsprachigen Lyrik anzutreffen ist. Das Ghasel besteht aus einer beliebigen Anzahl zweizeiliger Strophen, deren zweiter Vers immer den in der ersten Strophe verwendeten Reim wieder aufnimmt. Man spricht daher auch vom rührenden oder wiederkehrenden Reim: a a – b a – c a – d a – e a. Die Strophen folgen hier der Form des daktylischen Tetrameters.

’n Satz heiße Ohren: Walk Off The Earth

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Morgens um halb sieben im Allgäu. Ein müder Mensch hadert die Treppe herunter zu seinem Auto. In der einen Hand eine kleine Reisetasche, in der anderen das Treppengeländer, damit er nicht herunterfällt, sollte er versehentlich wieder einschlafen. Im Auto dann schnell wach, da das vermaledeite Navi heute auch mit dem falschen Kabel aufgestanden ist. So fing alles an. Es war ein herrlicher Frühlingsmorgen. Schnell noch den Mitfahrer in Kaufbeuren abgeholt und ab auf die Autobahn. Berlin. Walk Off The Earth. Kann losgehen.

Um halb zwei kamen wir am Hotel an, freuten uns über den netten Service dort, parkten das Auto und marschierten los. Standardprogramm. Potsdamer Platz, Tiergarten, Schloss Bellevue, Spreeufer, Kanzleramt, Reichstag, Brandenburger Tor, Stelenfeld. Und die Sonne sorgte für den richtigen Glanz in der Stadt, in der am nächsten Tag der Gauckler einziehen sollte. Zwischen Steigbügel und Amboss formierte sich ein Wurm: Fendrichs „Frühling in Berlin“ wollte mir nicht mehr aus dem Kopf. Der präsidiale Neuanfang erhielt von Petrus einen strahlenden Rahmen. Die Pause im „Biergarten“ gegenüber des Kanzleramtes war überflüssig. Ich empfahl dem Serviceleiter mit aller Arroganz, die ich aufbieten konnte, sein Personal zu Schulungszwecken nach München zu schicken. Auch im Frühling kann ich ohne ein gewisses Maß an Misanthropie nicht existieren.

Abends dann der Marsch zum Platz der Luftbrücke. Kann mir einer sagen, was der Mann im Gemüsekebapwagen richtig macht, dass er durchgehend über eine Kaufwilligenschlange unerhörter Länge verfügt? Mir war diese zu lang, so dass ich es nie erfahren werde. Dann standen wir vor dem C-Club und verharrten voller Vorfreude auf die YouTube-Sieger 2012 (über 70 Mio. Klicks für „Somebody that I used to know“). Ich habe einen Vertrag mit Eventim, auf dem schwarz auf mint „Einlass: 19:00 Uhr“ steht. Mangelnde Organisation sorgte für Vertragsbruch und erhebliche Verspätung. Doch endlich drinnen, dauerte es nur eine Weizenbierlänge bis Prinzessin Mia Diekow auf der verspielt glitzernden Bühne erschien und fröhlich loszwitscherte (nein, liebe Nerds. Sie schrieb keine Tweets. Zu meiner Zeit nutzte man das Wort „zwitschern“ auch als Synonym für „singen“). Schöner, ungewöhnlicher, innovativer Mädchen-Pop, der ins Ohr und ins Gemerk ging. Ein guter Anfang.

Dann kam W.O.T.E. Die Fans kreischten ohrenbetäubend, bevor es überhaupt losging. Und da waren sie auch schon, kamen auf die Bühne geturnt, warfen sich Ukulelen zu, und Sarah Blackwood drehte sich wie ein Brummkreisel, tanzte Gogo-like auf den Boxen herum und warf ständig Instrumente ins Publikum. Gianni und Marshall brüllten sich harmonisch die Kehle aus dem Leib und die gute Laune kochte geradezu über. Ich alter Mann hingegen war wohl der einzige, der nicht aus dem Häuschen herauskam. Ich hatte mich auf die filigrane Kunst der aus YouTube bekannten, virtuosen Spielereien gefreut und dabei vergessen, dass es sich hier um eine erfahrene Indie-Band mit eigenen Songs und CDs handelte. Sie spielten nicht die spaßigen Coversongs sondern ihre spaßigen Heavy-Reggae-Nummern. Auch schön, auch perfekt umgesetzt, die Arrangements grandios, die komplizierten Vocals auf den Punkt. Aber eben nicht ganz das, was ich erwartet hatte. Und es war dem Singer-Songwriter-Opa aus dem Allgäu etwas zu laut. Die Zugabe war dann entschädigenderweise der heiß ersehnte Unigitarro-Hit. Das Publikum grölte mit und alle waren glücklich, auch wenn ich hier nicht verschweigen möchte, dass ich auch recht froh war, dass die Gefahr von Myrinxfissuren nun gebannt war. Die freudigen Pfiffe des Publikums begleiteten mich aber noch bis zum Frühstück.

Auf dem Weg zurück in die Herberge, kehrten wir noch beim Italiener ein. Pasta salmone ai funghi porcini e vino bianco. Grande! Buonna notte, Berlin!

Die Bildergalerie gibt’s hier!

Nachtrag: Ich wurde gerade von einer Kollegin über den Gemüsekebapmann aufgeklärt, ich Banause. Hier die umwerfende Website.

Wein-Plus wird europäisch

Heute erreichte mich die nachstehende Presseinformation von Wein-Plus. Man möchte dort europäischer werden. Ein vielversprechender Ansatz. Leider wird die neue Seite wein-plus.eu erst im April freigeschaltet, man darf aber gespannt sein, denn der Gründer und Geschäftsführer Utz Graafmann verspricht mehr Übersichtlichkeit und eine intuitivere Bedienung. Damit trifft er ins Schwarze, denn seine mehr als 200.000 Mitglieder umfassende Community konnte sich bisher zwar über hochwertige Inhalte freuen, musste dabei aber eine Website in Kauf nehmen, die aufgrund ihrer gewachsenen Komplexität eher Frust als Lust erzeugte. Ein guter Wein benötigt ein schlichtes und schnörkelloses Glas, der reich verzierte Römer aus Großmutters Kabinett ist nicht mehr zeitgemäß. Bleibt zu hoffen, dass Graafmann mit seinem Team die Website nicht nur klärt sondern auch filtriert. Zum Wohl!

Neue Internetplattform ist Herzstück der Expansionsstrategie

Erlangen, 04.03.2012 – Wein-Plus, das führende europäische Weinnetzwerk, hat auf der Fachmesse ProWein am 4. März in Düsseldorf den Relaunch seiner Internetplattform erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Der neue Webauftritt präsentiert sich in einem moderneren und übersichtlicheren Design und wird mittelfristig in sämtlichen europäischen Sprachen und mit länderspezifischen Inhalten verfügbar sein. Mit über 200.000 registrierten Nutzern ist Wein-Plus die größte Wein-Community in Europa.

“Wir haben fast drei Jahre daran gearbeitet, unserer Plattform ein neues Gesicht zu geben, um auf dieser Basis unser Netzwerk langfristig auf alle europäische Länder zu erweitern”, erklärt Utz Graafmann, Geschäftsführer von Wein-Plus. Seit der Firmengründung im Jahr 1998 wurde das Internetportal Wein-Plus.de bereits mehrfach umgestaltet und ständig um neue Funktionen ergänzt. 2002 begann mit dem Start der englischsprachigen Website Wein-Plus.com die Internationalisierung. Mit der neuen Domain Wein-Plus.eu werden die derzeit acht einzelnen Länderseiten in eine gemeinsame europäische Plattform für alle Binnen- und Außenmärkte überführt. Sie soll in wenigen Wochen online gehen.

Technische Modernisierung, redaktionelle Aufwertung

“Die neue Homepage ist intuitiv bedienbar und deutlich ansprechender als die bisherige. Der Nutzer kommt mit weniger Klicks zum Ziel”, erläutert Graafmann. Die Inhaltsbereiche wurden von mehr als 20 auf sechs Rubriken gestrafft, und neben einer Gesamtsuche bestehen für alle Bereiche individuelle Suchfunktionen. Durch tabellenfreies Design ist Wein-Plus.eu weitgehend barrierefrei, und die Plattform ist offen für neue Endgeräte wie Smartphones oder Tablets.

Mit dem Relaunch ist auch eine inhaltliche Fokussierung verbunden. “Wir wollen unsere redaktionelle Kompetenz als Medium weiter ausbauen und uns dabei auf Europa konzentrieren, wobei wir eine weltweite Leserschaft ansprechen”, so Graafmann. Der Weinführer von Wein-Plus, schon jetzt mit mehr als 100.000 professionellen Weinbeurteilungen der größte seiner Art, wird sich künftig noch stärker auf die qualitative Spitze ausrichten und so seinen Nutzwert erhöhen.

Über Wein-Plus

Wein-Plus ist Europas führende unabhängige Internetplattform zum Thema Wein. Das offene Informations- und Kommunikationsnetzwerk für mehr als 200.000 registrierte private und professionelle Weinliebhaber wurde 1998 gegründet und wird täglich von über 6.000 Menschen genutzt. Die Nutzer können sich über Wein informieren, Kontakte knüpfen, Unterstützung finden und ihr Weingeschäft fördern. Der Weinführer von Wein-Plus wird werktäglich aktualisiert und enthält die Beurteilungen von mehr als 100.000 Weinen; er unterliegt strengeren Verkostungsrichtlinien als andere Führer. Das Weinglossar ist mit über 16.000 Begriffen das größte Online-Weinlexikon weltweit, und das Wein-Plus-Magazin liefert aktuelle News und Hintergrundartikel zu Regionen und Rebsorten, Weinrecht und -wirtschaft sowie zu Events und neuen Jahrgängen. Mit diesen und vielen weiteren Rubriken umfasst Wein-Plus insgesamt über eine halbe Million Internetseiten. Die Plattform bringt Fragen und Antworten, Angebot und Nachfrage zusammen. Über 2.500 Profi-Mitglieder haben sich unter dem Dach des Netzwerks zusammengeschlossen und nutzen zahlreiche Marketing- und Kostenvorteile, die sich durch die starke Gemeinschaft ergeben. So ist Wein-Plus beispielsweise einer der größten Rahmenvertragskunden von UPS mit einem Versandvolumen von über einer halben Million Weinpaketen pro Jahr. Ziel der Interessensbündelung sind auch bürokratische Hilfen, etwa im Bereich der Verpackungsverordnung oder der Biozertifizierung. Weitere Services der von Wein-Plus ausgewählten Rahmenvertragspartner sind unter anderem die Zahlungsabwicklung im Online-Shop, Inkassodienstleistungen und Rechtsberatung.

Lyrik 2: Ein Akrostichon*

Die folgende kleine Lyrik ist sozusagen eine Auftragsarbeit. Ich fragte herum, welcher Versform ich als nächstes folgen solle und der Vorschlag von Marcus S. aus G. lautete: „Akrostichon“. Das Schlüsselwort gab er mir ebenfalls vor. Also bitte sehr:

Fast hätte er mich überzeugt.
Laut trällert er sein großes Lied.
Ich höre zu, doch mir wird klar:
Tumb ist er wie ein Suppenhuhn.
Zurechnungsfähigkeit gleich Null,
Paukt und trompetet er daher.
Ich höre hin, doch nicht mehr zu.
Er fühlt sich groß und redet wirr.
Pfeife ist wohl das Synonym.
Ernst nehmen kann ihn keiner mehr.

*Ein Akrostichon ist eine Versform, bei der die Anfangsbuchstaben der einzelnen Verse hintereinander gelesen einen Sinn ergeben, der wiederum inhaltlich mit den Versen korrespondiert. In diesem Fall stellt jeder der zehn Verse einen achtsilbigen trochäischen Fünffüßler mit katalektischem erstem und fünftem Versfuß dar. Alles klar? (-x -u -u -u -x)

Ach ja: Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht absichtlich. Kchihihi!