NummerSicher: Heiße Suppe, Warmes Herz

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Diesen Text habe ich Ende letzten Jahres für das Kundenmagazin „NummerSicher“ Basler Versicherung geschrieben. Es war kalt, es war usselig, und so fiel es leicht, sich wärmende Gedanken zum Kulturgut Suppe zu machen.
Die Layout-Version findet Ihr hier.

Heisse Suppe – warmes Herz
Wenn es draussen ungemütlich und kalt ist, gibt es ein Mittel, um die Seele zu wärmen: eine gute Suppe. Eine winterliche Liebeserklärung.

Der frühe Winter hat es in sich. Der Schnee knirscht mit seinen eisigen Kristallen unter den Stiefeln. Der Wind beisst im Gesicht, der Atem gefriert zu kleinen Wölkchen. Draussen sein tut gut, und trotzdem ist bei dieser Eiseskälte die Aussicht auf die Einkehr noch verlockender. Am Ende des geräumten Winterwanderweges leuchtet uns aus niedrigen Fenstern ein einladendes Licht entgegen, die Hütte kommt gerade recht. Hunger!

Keine zehn Minuten später sitzen wir am rauen Holztisch vor einer verschnörkelten Porzellanschüssel, aus der ein betörender Duft emporsteigt: Bündner Gerstensuppe, eine währschafte Belohnung für den Ausflug in eine ziemlich unwirtliche Winterwelt. Mit jedem Löffel kehren Kraft und Wärme zurück, die Erschöpfung ist wie weggeblasen.

Ob arm oder reich – Suppe für alle
Suppen gibt es fast schon so lange wie Menschen. Die ersten Anzeichen für breiartige Speisen, die in speziellen Säcken erwärmt wurden, finden sich bereits in der Steinzeit. Nach der Erfindung von Tongefässen konnten Wasser, Getreide und andere Zutaten erstmals in festen Behältnissen zubereitet werden. Der Siegeszug der Suppen begann – so wird vermutet – vor rund 6000 Jahren in Mesopotamien und breitete sich dann via Ägypten, Griechenland und das römische Reich über den gesamten Globus aus.

Suppen dienten in der Geschichte den verschiedensten Zwecken. Sie waren sowohl die Speise der Armen und Kranken als auch die Entrées zu opulenten mittelalterlichen Gelagen an königlichen Höfen. Zum Beispiel die kastilische Olla Podrida, ein kräftiger Eintopf aus verschiedenen Fleisch- und Gemüsesorten, der in jener Epoche auch in Zürich als Sonntagssuppe sehr beliebt war, da er während des Gottesdienstbesuches immer so wunderbar langsam vor sich hin köcheln konnte.

Alles in den einen Topf
Überhaupt haben Suppen in der Schweiz eine lange Tradition. Gerade in den abgelegenen Bergregionen wurden schon sehr früh grosse Töpfe mit gesunden und stärkenden Zutaten gefüllt und zu Suppen verarbeitet. Was auch immer die Natur hergab, fand irgendwann den Weg in die Schüsseln und Teller der Bergbauern. Genau genommen ist selbst das Schweizer Käsefondue eine Suppe, die als Gemisch aus geschmolzenen Greyerzer, Vacherin oder Appenzeller, trockenem Weisswein und einem Schuss Kirschschnaps Körper und Geist aufwärmt.

Auch die Sterneküche schaut keinesfalls herablassend auf das Zusammenrühren im grossen Kübel herab. Eine fein abgeschmeckte Ochsenschwanzessenz oder ein herbstliches Maronischaumsüppchen mit Champignons, Entenleber und Trüffel darf als Zwischengang in keinem Degustationsmenü der Haute Cuisine fehlen.

Heute interessieren uns Sterne und kulinarische Finessen am Herd nicht wirklich. Alle Sinne verbinden sich an diesem kalten Wintertag nur mit dieser sämigen Bündner Gerstensuppe und kommen dabei voll auf ihre Kosten.Sie ist die Krönung unseres Tages – einfach ein Gedicht. Wir haben sie uns verdient. Nur gut, dass wir vorher draussen waren.

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