So weit die Füße tragen…

12 07 07_11km_Leubas

Ein Beitrag aus meinem Weightwatcher-Blog

Die Lösungen zu des Läufers Problemen können so einfach sein, wenn man sie nur kennen würde. Dabei liegt es doch auf dem Fuß: Wenn bei 5000 Metern regelmäßig die Puste ausgeht und die Laufzeit immer fast exakt gleich ist, gibt es ja eigentlich nur eine logische Konsequenz, auf die ich von Ehrgeiz zerfressener Mitdemkopfdurchdiewand aber selbst nicht kam. Der Laufpapst höchstselbst, Herbert Steffny, musste den Knoten lösen. Er schrieb mir, ich solle einfach mal Tempo rausnehmen. Nicht die Strecke würde töten, sondern das Tempo.

Nun lief ich ja bei Wettläufen bisher schon mit den Ü70ern gemeinsam ein und war froh, dass an der Ziellinie überhaupt noch jemand da war, um mich in Empfang zu nehmen. Beim Kemptener Stadtlauf überholten mich sogar Walker und Rollstuhlfahrer. Aber ich meine hey, mich hetzt ja keiner. Also los, dachte ich mir, und los ging’s. Dazu sei gesagt, dass meine Allgäuer Heimatstrecke wie auch mein Läuferleben von vielen Höhen und Tiefen geprägt ist. Kurz vor Kilometer 2 kam dann auch schon der Berg vorm Bienenhotel, den ich sonst nur schnaufend hochstapfen konnte. Und ich merkte, irgendetwas war anders. Ich lief (also joggte, liebe Allgäuer) ihn hoch. Unfassbar. Irgendwie ging alles recht leicht. Nach 3,5 Kilometern folgte ich dann Robert Frost (Zwei Wege boten sich mir dar, und ich nahm den der weniger betreten war.) Ich geriet auf einen von zich Allgäuer Schwerstgewittern völlig aufgesumpften Wiesenpfad. Die Sonne brannte. Bremsen aßen meine Wade. Cross-Running? Hatte ich eigentlich nicht vor, aber umkehren war tabu. Bei Kilometer 6 kam ich endlich wieder auf eine Straße, die ihren Namen verdient. Ich bin definitiv Asphaltläufer. Welch Genuss, obwohl nun eine endlose Steigung folgte. Ich starrte auf den Boden, schwang die Arme wie Forrest Gump und joggte mit Tippelschritten weiter. Ich sah das herrliche Alpenpanorama … ja gut, hin und wieder habe ich doch mal hochgeschaut … und ließ mich durch den vermaledeiten Grünten ablenken, den ich nach fast 10 Jahren noch immer nicht bestiegen habe. Huch! Die Steigung war geschafft. Abwärts zu der einsam im Wald gelegenen Zimmermannswerkstatt. Der Seniorzimmermann spielte immer noch Rummikub mit seiner Frau. Wie schon auf dem Hinweg. Beide schauten mir murmelnd nach. Der Rest verlief am Rande meines Lebens. Ab. Auf. Auf. Ab. Auf. Auf. Ab. Sagt mal, wer um alles in der Welt hat eigentlich das Allgäu gebaut? Hatte er zuviel Sand und Steine übrig? In Dänemark war’s leichter.

Aber dann kam ich wieder auf meine Heimstrecke. Meine Uhr zeigte 9 Kilometer an, der letzte Rest war Kür. Ich zog nochmal an, bis mir vor meiner Haustür die Beine versagten. Ich lehnte mich an mein Auto und dachte nicht an Schokolade. Endorphine hatte ich genug. Nach – genau hinlesen – elf, in Worten 11, Kilometern!!!

Duschen. Trinken. Schlafen.

P.S.: An dieser Stelle möchte ich ausnahmsweise mal Werbung machen. Wer sich für’s Laufen interessiert, sollte nicht an Herbert Steffnys Laufbibel vorbeilaufen. Gibt für knapp 30 Euro hier bei Amazon.